Rebirthing Breathwork – eine verständliche Einführung in Methode, Ursprung und Praxis
- Nils Hammann

- 23. Dez. 2025
- 7 Min. Lesezeit

Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung: Was ist Rebirthing?
Für wen Rebirthing Breathwork geeignet ist - für wen nicht
Rebirthing Breathwork ist eine Methode der bewussten, verbundenen Atmung, die in den 1960er-Jahren entwickelt wurde. Durch das kontinuierliche, fließende Ein- und Ausatmen entsteht ein Erfahrungsraum, in dem sich körperliche, emotionale und bewusste Prozesse zeigen können. Der Atem dient dabei als Zugang zu inneren Erfahrungen, Erinnerungen und Einsichten, die über reines Denken hinausgehen und im Erleben erfahrbar werden.
Worum es in diesem Beitrag geht
Dieser Beitrag dient der Einordnung und Orientierung.
Er zeigt, was Rebirthing Breathwork ist, woher diese Praxis kommt und wie sie heute angewendet wird.
Im Mittelpunkt stehen:
die Grundidee von Rebirthing Breathwork
der verbundene Atem als zentrales Element
der typische Rahmen einer Session
Rebirthing Breathwork wird hier als Erfahrungsweg beschrieben, der über bewusste Atmung Zugang zu inneren Prozessen und persönlicher Erkenntnis eröffnet.
Was ist Rebirthing Breathwork?
Rebirthing Breathwork ist eine Form des bewussten verbundenen Atmens.
Ein- und Ausatmung gehen dabei ohne Pause ineinander über. Der Atem fließt gleichmäßig und kontinuierlich über einen längeren Zeitraum.
Diese Atemweise eröffnet einen inneren Erfahrungsraum. Sie kann:
innere Prozesse in Bewegung bringen
emotionale Erinnerungen zugänglich machen
das Erleben vertiefen
Bewusstheit fördern
Rebirthing wird meist in liegender Position praktiziert und von einer erfahrenen Begleitung gehalten, die den Prozess achtsam unterstützt.
Ursprung & Entwicklung von Rebirthing Breathwork: Leonard Orr
Rebirthing Breathwork entwickelte sich in den 1960er- und 1970er-Jahren. Maßgeblich geprägt wurde die Praxis durch die Arbeit von Leonard Orr, der den verbundenen Atem als Zugang zu frühen Erfahrungen und inneren Prozessen erforschte.
Im Zentrum seiner Beobachtungen standen insbesondere:
Erfahrungen rund um Geburt und frühe Kindheit
prägende Lebensereignisse
die enge Verbindung von Atem, Körper und innerem Erleben
Orr ging davon aus, dass sich solche Erfahrungen weniger im bewussten Denken
zeigen, sondern im Atem- und Körpererleben wirksam bleiben. Durch bewusstes, verbundenes Atmen sollte ein Zugang zu diesen Ebenen möglich werden. Viele Menschen beschrieben diese Prozesse als eine innere Klärung oder Erneuerung, woraus sich der Begriff Rebirthing entwickelte.
Im Laufe der Zeit wurde Rebirthing in unterschiedlichen Kontexten weitergegeben und angepasst. Daraus entstanden verschiedene Schulen, Stile und Auslegungen, die sich im Rahmen, in der Haltung zur Erfahrung und in der Art der Begleitung unterscheiden.
Heute wird Rebirthing Breathwork weltweit praktiziert und häufig unter dem übergeordneten Begriff Conscious Connected Breathing eingeordnet. Trotz unterschiedlicher Ausprägungen bleibt der verbundene Atem das gemeinsame Grundelement.
Die Grundidee hinter Rebirthing
Die zentrale Annahme von Rebirthing Breathwork ist, dass der Atem eng mit Emotionen, Bewusstsein und persönlicher Lebensgeschichte verbunden ist. Atemmuster werden dabei als Ausdruck innerer Prägungen und Erfahrungen verstanden.
Rebirthing geht davon aus, dass sich solche Prägungen auch im Atemmechanismus selbst zeigen können. In der Rebirthing-Tradition wird angenommen, dass frühe Erfahrungen – einschließlich der Geburt – Einfluss auf die natürliche Atembewegung haben können. Daraus können sich unbewusste Atemblockaden oder eingeschränkte Atemmuster entwickeln.
Im Atemprozess kann:
die innere Wahrnehmung feiner werden
der Kontakt zum eigenen Atem sich vertiefen
unbewusste Atemmuster und -blockaden erfahrbar werden
sich festgehaltene Atembewegungen allmählich lösen
emotionale oder körperliche Reaktionen sichtbar werden
Rebirthing versteht sich als Weg der Selbsterfahrung. Der Prozess entfaltet sich über unmittelbares Erleben und aufmerksame Beobachtung, nicht über Analyse oder gezielte Bearbeitung. Der Atem dient dabei als zentrales Medium, durch das innere Zusammenhänge und Prägungen bewusst wahrgenommen werden können.
Der verbundene Atem – wie die Methode funktioniert
Der verbundene Atem bildet das Zentrum der Rebirthing-Praxis. Er beschreibt eine kontinuierliche Atemweise, bei der Ein- und Ausatmung direkt ineinander übergehen.
Typische Merkmale sind:
Ein- und Ausatmung ohne Pause
ein gleichmäßiger, fließender Atemrhythmus
bewusste Aufmerksamkeit auf den Atemverlauf
Der Atem wird dabei nicht gesteuert oder forciert. Er darf sich natürlich entfalten. Mit zunehmender Dauer der Atmung verändert sich häufig die Wahrnehmung von Körper, Zeit und innerem Raum. Viele Menschen erleben eine vertiefte Präsenz und einen intensiveren Kontakt zum eigenen Erleben.
Wie eine Rebirthing-Session typischerweise abläuft
Vorbereitung
ruhiger, geschützter Raum
kurzes Vorgespräch zur Orientierung
Erklärung der Atemweise und des Rahmens
Atemphase
Dauer meist 60–90 Minuten
liegende Position
kontinuierlicher, verbundener Atem
eine begleitende Person hält den Raum
Abschluss
sanfte Rückkehr aus der Atemphase
Nachspüren im eigenen Tempo
Integration oder kurzer Austausch
Jede Session verläuft individuell und orientiert sich am persönlichen Erleben.
Was Menschen während Rebirthing erleben
Die Erfahrungen während einer Rebirthing-Session können sehr unterschiedlich sein. Häufig berichten Menschen von:
emotionale Wellen
Körperempfindungen
Erinnerungsbilder
innere Einsichten
Phasen tiefer Ruhe
Das Erleben folgt keinem festen Muster. Sowohl intensive als auch sehr stille, unspektakuläre Sessions gehören zum Prozess und werden als gleichermaßen bedeutsam beschrieben.
Einordnung: Rebirthing, Selbsterfahrung und Bewusstsein
Rebirthing Breathwork wird als Weg der Selbsterfahrung verstanden. Der Atem dient dabei als Zugang zum eigenen inneren Erleben und als Spiegel persönlicher Prägungen, Erfahrungen und Haltungen.
Im Mittelpunkt stehen:
eine offene Haltung gegenüber inneren Prozessen
die bewusste Wahrnehmung von Körper, Emotionen und Bewusstsein
die Bereitschaft, dem eigenen Erleben Zeit und Raum zu geben
Rebirthing geht davon aus, dass sich innere Muster nicht primär über Denken verändern, sondern über direkte Erfahrung. Atemrhythmus, Atemtiefe und Atemfluss können Hinweise auf unbewusste Schutzmechanismen oder frühe Prägungen geben, die im Alltag meist unbemerkt bleiben.
Der Atem begleitet diesen Prozess kontinuierlich. Er eröffnet einen Erfahrungsraum, in dem Wahrnehmung, Einsichten und Veränderungen aus dem Erleben selbst entstehen können – ohne Analyse oder äußere Intervention.
Abgrenzung zu Atemübungen und Regulationstechniken
Rebirthing Breathwork unterscheidet sich weniger durch einzelne Atemtechniken als durch die Dauer und Tiefe des Atemprozesses. Der Atem wird nicht punktuell eingesetzt, sondern über längere Zeiträume als fortlaufender Erfahrungsraum zugelassen.
Während Atemübungen und Regulationstechniken den Atem häufig gezielt nutzen, um bestimmte Zustände zu unterstützen oder Funktionen zu erfüllen, versteht Rebirthing den Atem als Ausdruck des gesamten menschlichen Erlebens – einschließlich Prägungen, Schutzmechanismen und innerer Geschichte. 👉 Wenn du dir einen grundlegenden Überblick verschaffen möchtest, was unter Breathwork allgemein verstanden wird, findest du hier eine einfache Einführung:
Im Mittelpunkt stehen:
Offenheit gegenüber dem, was sich im Moment zeigt
eine wache, nicht bewertende Wahrnehmung von Körper, Emotionen und Bewusstsein
die Bereitschaft, Kontrolle schrittweise loszulassen und dem Atem zu folgen
Der Atem wird dabei nicht angewendet, um etwas zu erreichen oder zu verändern. Er begleitet einen inneren Prozess, der sich aus dem Erleben selbst entfaltet. Rebirthing ist daher weniger eine Übung als ein Erfahrungsweg, der Selbsterkenntnis, Bewusstheit und innere Bewegung ermöglicht.
Varianten & verwandte Breathwork-Ansätze
Rebirthing Breathwork steht in Beziehung zu weiteren Formen der Atemarbeit, die ebenfalls mit verbundenem Atmen arbeiten.
Dazu zählen unter anderem:
Holotropic Breathwork
Transformational Breath
Conscious Connected Breathing
Allen Ansätzen gemeinsam ist die Arbeit mit verbundenem Atem über einen längeren Zeitraum. Unterschiede zeigen sich vor allem:
im jeweiligen Rahmen (Einzel- oder Gruppenarbeit)
in der Haltung zur Erfahrung und Begleitung
in der Intensität und Dauer der Atemphasen
Darüber hinaus existieren schamanisch geprägte Formen der Atemarbeit. In vielen schamanischen Traditionen wurde der Atem genutzt, um veränderte Bewusstseinszustände zu begleiten, meist eingebettet in rituelle, rhythmische oder spirituelle Kontexte.
Diese Vielfalt verdeutlicht, dass verbundene Atmung auf unterschiedliche Weise verstanden und praktiziert wird. Ausrichtung und Anwendung hängen dabei stark vom Kontext, der Zielsetzung und der persönlichen Haltung der Begleitung ab.
Für wen Rebirthing Breathwork geeignet ist- für wen nicht
Geeignet kann Rebirthing Breathwork sein für Menschen, die:
sich selbst besser verstehen möchten
offen für innere Prozesse und Selbsterfahrung sind
bereit sind, dem eigenen Erleben Raum zu geben
einen erfahrungsorientierten Zugang zu Atemarbeit suchen
sich in einer stabilen körperlichen und psychischen Verfassung befinden
Rebirthing richtet sich an Menschen, die den Atem als Zugang zu innerem Erleben nutzen möchten und bereit sind, sich auf einen offenen Prozess einzulassen.
Sicherheit, Rahmen & Verantwortung
Rebirthing Breathwork ist eine intensive Form der Selbsterfahrung und setzt einen geschützten Rahmen sowie innere und körperliche Stabilität voraus. Es gibt bestimmte gesundheitliche und psychische Voraussetzungen, bei denen Rebirthing nicht oder nur nach fachlicher Rücksprache geeignet ist.
👉 Eine ausführliche Übersicht zu möglichen Kontraindikationen findest du im Abschnitt „Sicherheit und medizinische Aspekte"
Im Zweifel gilt: Eine offene Rücksprache mit einer erfahrenen Begleitung sowie gegebenenfalls mit medizinischen oder therapeutischen Fachpersonen ist immer sinnvoll.
Häufige Missverständnisse
Rund um Rebirthing Breathwork gibt es unterschiedliche Erwartungen.
Die folgenden Punkte helfen bei einer realistischen Einordnung:
Rebirthing wird als Erfahrungsweg verstanden, nicht als klassische Entspannungsform
Jede Session ist individuell und folgt keinem festen Ablauf
Erleben lässt sich nicht planen oder herstellen, sondern entfaltet sich im Prozess
Bedeutung und Wirkung zeigen sich oft zeitversetzt und im eigenen Tempo
Rebirthing Breathwork lädt dazu ein, offen zu bleiben und dem eigenen Erleben ohne Bewertung zu begegnen. Genau darin liegt der Kern der Praxis.
Integration nach einer Session
Die Zeit nach einer Rebirthing-Session ist ein wesentlicher Teil des gesamten Prozesses. Sie gibt Raum, das Erlebte nachwirken zu lassen und behutsam in den Alltag zu integrieren.
Hilfreich können sein:
bewusste Ruhephasen
Zeit für dich, ohne äußeren Druck
Schreiben, Zeichnen oder andere kreative Ausdrucksformen
achtsame Pausen und eine reizärmere Umgebung
Integration bedeutet nicht, alles sofort zu verstehen oder einordnen zu müssen. Oft entfaltet sich Bedeutung erst mit zeitlichem Abstand.
👉 Ergänzende Hinweise zu Nachbereitung, Selbstfürsorge und Integration findest du in meinem ausführlichen Handout:
FAQ
Ist Rebirthing für Anfänger geeignet?
Ja. Mit einer achtsamen Begleitung und einem geschützten Rahmen ist Rebirthing auch für Menschen ohne Vorerfahrung gut zugänglich.
Wie intensiv sind Rebirthing-Sessions?
Das Erleben ist individuell. Manche Sessions sind emotional bewegt, andere ruhig und unspektakulär. Beides gehört zum Prozess.
Wie oft wird Rebirthing praktiziert?
Die Häufigkeit variiert. Sie richtet sich nach dem persönlichen Anliegen, dem eigenen Tempo und dem jeweiligen Prozess.
Fazit & nächste Schritte
Rebirthing Breathwork ist eine besondere Form der Atemarbeit, die den Atem als Zugang zu innerem Erleben versteht. Im Mittelpunkt steht Selbsterfahrung, nicht Optimierung oder Zielerreichung.
Wenn du verstehen wolltest, was Rebirthing Breathwork ist, woher diese Praxis kommt und wie sie heute angewendet wird, hast du nun eine fundierte Grundlage. Ob und wie tief du dich darauf einlassen möchtest, liegt bei dir und deinem eigenen Tempo.
Als nächsten Schritt kann es hilfreich sein, Erfahrungen weiter zu reflektieren, dich mit qualifizierter Begleitung auszutauschen oder dich behutsam an eine eigene Praxis heranzutasten.
Atemreisen bei Atemwunder® – mein eigener Zugang
In meinen Atemreisen bei Atemwunder® arbeite ich mit Elementen des verbundenen Atmens, wie sie auch im Rebirthing Breathwork genutzt werden. Daraus habe ich einen eigenen, zeitgemäßen Ansatz entwickelt, der auf Präsenz, Achtsamkeit und bewusster Begleitung basiert.
Die Atemreisen sind achtsam geführte Selbsterfahrungsräume. Sie bieten Orientierung und Halt, ohne etwas vorzugeben. Der Atem lädt dazu ein, dem eigenen inneren Erleben im eigenen Tempo zu folgen.
👉 Wenn du solche Impulse regelmäßig in deinem Postfach haben möchtest, trag dich gern in meinen Newsletter ein.
Im Atemwunder®-Newsletter teile ich Einblicke, Reflexionen und Inspirationen rund um Atem, Selbsterfahrung und innere Wege.
Über den Autor

Nils – Atembegleiter, Coach & Gründer von Atemwunder®
Begleitet Menschen mit bewusster Atmung auf dem Weg zu mehr innerer Ruhe, Klarheit und Lebendigkeit.
Atemübungen ersetzen keine medizinische oder therapeutische Begleitung. Sie können jedoch eine wertvolle, unterstützende Praxis sein.



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